Donnerstag, 29. September 2011

Unendliche Enttäuschung

Das Essen des Japaners liegt mir noch schwer im Magen, als ich die Treppe in der Station hinunterstürze. In letzter Sekunde gleite ich durch die Türe. Doch meine Gedanken sind nur bei der Bäckerstüte in meiner Hand. Als ich dann einen freien Platz erspäht und besetzt habe, mache ich mich ans Auspacken der Leckereien. Ich wiege beide in den Händen und überlege welche ich zuerst esse. In der einen Hand liegt ein, nicht gerade kleiner, mit Vanillepudding gefüllter Schokomuffin. In der anderen ein flaches Gebäck, durch dessen Mitte sich ein langer Tunnel zieht, aus dessen beiden Enden reichlich Mousse au Chocolat quillt. Die Oberfläche ist mit kleinen, von einer hauchdünnen Schokoladenschicht überzogenen, Mandelsplittern bestreut, so dass sie leicht an eine zerlüftete Mondlandschaft erinnert.
Die Entscheidung fällt nicht schwer. Ich packe den Muffin wieder ein. Ich lasse mir Zeit. So ein Erlebnis muss zelebriert werden. Während meine Hände dieses Prachtstück der Konditorenkunst langsam zum Mund führen, streckt sich die Zunge erwartungsvoll entgegen um es in Empfang zu nehmen. Jeder Muskel in meinem Körper weiss genau was er tun muss und ist bis aufs äußerste angespannt. Ich beiße zu. Der Geschmack begeistert und lässt mich völlig die Welt um mich herum vergessen und wünschen dieser Moment möge nie zuende gehen.
Umso empörter bin ich als mich eine, erst leise vernehmbare, dann immer lauter werdende Stimme aus meiner Trance reist. Erst verstehe ich gar nicht was die Frau links von mir will. "Sir, Sir..." Ich brauche etwas Zeit um mich zu sammeln. Erst dann verstehe ich: Höflich weist diese mich auf das Essverbot in der MRT hin. Und mir dämmert es wieder: Essen, Trinken, Kaugummi kauen, Betelnüsse, alles verboten in der U-Bahn von Taipei. Bei Nichteinhaltung drohen Strafen von 40 € und die überall platzierten Securities zögern nicht, diese einzufordern. Dieses mal war es nur meine Nebensitzerin. Ich starre auf das Objekt meiner Begierde, das mir frech zuzugrinsen scheint. Zurück bleibt große Enttäuschung und ein Gefühl der Leere.  Es wird wohl eine Weile dauern bis ich mich daran gewöhnt habe.

Nachgestellte Zeichnung: So könnte die Situation ausgesehen haben.

Sonntag, 25. September 2011

Earthfest

 In den Tiefen des Kun Lun Herb Garden, in den Bergen vor Taoyuan fand dieses Wochenende das Earthfest statt. Laut einigen Besuchern "The best festival in this style in Taiwan", Und da Taiwan ja festivalmäßig eher schwach ausgestattet ist, konnte ich mir das natürlich nicht entgehen lassen. Company hab ich leider keine gefunden, also alleine da hingetingelt. Bis auf die Taxinummer, wo scheinbar selbst "Longtan Bus station" als Ortsangabe schon zuviel des Englischen ist, dann eigentlich auch kein Problem. Dann dort weiter mit einem Schuttlebus, zusammen mit so einer 6 köpfigen Party Crew. "Hey i am Jessi, you came by your  own? Dont worry we are one family." Und prompt war ich Teil ihrer Family. Naja jedenfalls der Kopf der Bande nennt sich PsyprogTaxi und ist normal Taxifahrer aber heute wird er das Festival mit seinem Set eröffnen. Da er der erste DJ ist, war ich natürlich massig zu früh. Auf dem Gelände war außer der Crew noch gar niemand. Was mir Zeit gab, ein bisschen rumzustelzen und die Gegend zu erkunden. Ausgeleuchtete Kofunziusstatuen, obligatorische Schwarzlichdeko, und mitten im Dschungel, so die ersten Eindrücke. Als sich dann zum Taxi-Set so langsam der Platz füllt, werde ich ständig angesprochen: "Hey whats your name?", "Please enjoy the Party.", "Where are you from?", "Do you have Acid?" Innerhalb von ein paar Stunden kenn ich bestimmt 20 Leute per Namen, zumindest theoretisch. Ständig werden mir Visitenkarten zugesteckt. Das Aushängeschild eines jeden Taiwanesen, der ernstgenommen werden will. Musikalisch dann die ganze Nacht Darkpsy. Ganz gut, aber trotzdem bin ich froh als morgens dann Breakbeats übernehmen. Irgendwann wird das Psygedudel ja auch mal langweilig. Bevor es zu heiss wird leg ich mich in einer Hängematte schlafen und lass mir von der Morgensonne den Bauch brutzeln. Nass geschwitzt und mit einem saftigen Sonnenbrand im Gesicht wache ich Nachmittags wieder auf. Mit einer Lisa mache ich mich auf die Expedition durch den angrenzenden Urwald, der voller Gefahren ist. Überall haben cirka 12cm lange Spinnen ihre Netze gespannt und haben gruselige Totenköpfe. Nächste Nacht sind dann die Cops kurz da. In Taiwan heisst das, selbst bei einer angemeldeten Veranstaltung, erst mal Musik aus. Naja die haben sich dann 20 Minuten wichtig gefühlt, und sind wieder gegangen. Passiert ist soweit ich weiss gar nichts.  Inzwischen fühlt es sich gar nicht mehr an, als wäre ich allein gekommen, ich habe eigentlich immer Gesellschaft. Um mal Pause zu machen, setze ich mich auf die Decke von Bekannten. Ich lächele den Gastgeber an, "I grow Marijuana at home" begrüßt dieser mich. Das wars dann aber fast  schon mit dem Englisch. Mit Händen und Füßen, und mit Hilfe einer gemeinsamen Bekannten, versucht er mir noch das Wichtigste über  die Peyote Aufzucht mit auf den Weg zu geben.  Coole Type. An seinem Stammplatz vor den Boxen steht Steve und stopft mal wieder gänzlich Unbekannten eine Pfeife aus seinem  nicht enden wollenden Grasvorrat. Vor mir tanzt Massa mit seinem unrealistisch breiten Dauerlächeln und Marco passt immer auf dass ich ja nicht zu wenig Bier trinke. Hach. Ich hab die Leute hier schon richtig lieb gewonnen und bin dann Sonntag Mittag recht froh, dass mir die konstant schlechter werdende Musik den Abschied von meinen ganzen neuen Freunden leichter macht. Gegangen bin ich jedenfalls nicht alleine.








































Dienstag, 20. September 2011

Picdump die Zweite

Ich hab gerade nicht so viel zu schreiben, kann euch aber ein paar Bilder zeigen. Alle aus Taipei, wo ich gerade wohne, bevor ich mich auf die weitere Reise entlang an der Ostküste mache.








Keine Ahnung wie ich da reingeraten bin...


 Ein Konzert einer japanischen Band, ganz süß.





 Ein Mann, der ein Haus voll selbstgemachter Masken hat, die die Geister toter Leute, entsprechend ihrem Lebenswandel darstellen sollen.












 Sieht man hier öfter: Lange Schlangen (hier sogar mit Wartenummern) vor beliebten Restaurants. Allgemein scheinen sich die Leute gerne anzustellen. Ich muss mal Bilder aus der Ubahn schießen.