Donnerstag, 15. September 2011

Alles für die Götter

Als wir mit dem Moped durch die Städte um Taichung gedüst sind, hat mich Xiao-Ying, auf die kleinen Busse oder Transporter aufmerksam gemacht, die oft einsam am Wegesrand standen. Sie meinte das seien Puppentheater für die Götter. So ganz konnte ich mir danach immer noch keinen Reim machen, auf diese Fahrzeuge, auf denen mit grellsten Neonfarben Sagengestalten und und Drachen aufgetragen waren. Doch am Abend des Mondfestes, als wir nach dem obligatorischen Barbecue mit der Familie, noch ein wenig durch die Stadt eierten, kam ich in den Genuß einer solchen Vorstellung. Wir kamen gerade an einer Gasse vorbei aus der laute Musik dröhnte und ich, natürlich wie immer auf Abenteuer aus, wollte dort sofort hin. In der engen Gasse bot sich ein netter Anblick. Ein Vater und sein Kind saßen in zwei Plastikstühlen vor einem dieser mobilen Schaubühnen. Die neonfarbenen Drachen wurden nun von Schwarzlicht beleuchtet, was sie noch viel gefährlicher machte, während sich auf der Bühne zwei Puppen auf taiwanesisch stritten. Taiwanesisch. Dementsprechen habe ich auch nichts verstanden. Schlimm war das nicht, denn der Sound war dermaßen übersteuert, dass man auch als Taiwanese kaum folgen konnte. Die beiden anderen Zuschauer waren dann auch schnell wieder weg. Und wir sind gleich gefolgt. Ich hatte ein schlechtes Gewissen, die Künstler da einfach allein ihr Stück spielen zu lassen, doch Xiao-Ying meinte das sei völlig in Ordnung. Schließlich ist das Puppenspiel ja für die Götter, nicht für die Menschen. Wenn jemand zuschaut sei das okay, aber in erster Linie sollen ja die Götter bespaßt werden. Das hat mich dann wieder beruhigt, und ich bin jetzt großer Fan dieser Puppenspiele, auch wenn ich mir sie wohl nicht oft anschauen werde, aber darum geht es ja nicht.


PS: Auch hier wieder keine Bilder... Fett Sorry!

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