Als ich vor ca. 2 Monaten in Berlin meinen Pass mit dem Working Holiday Visa für Taiwan bekam, sagte der Beamte „Theoretisch darfst du damit in Taiwan arbeiten“. Rein theoretisch. Und tatsächlich gestaltet sich die Jobsuche hier nicht sehr einfach, spricht man kein Chinesisch. Meistens trifft man selbst bei deutschen Restaurants nur auf chinesisch sprechendes Personal und Sprachschule vergeben meistens Ein-Jahres-Verträge. Ich habe mir sagen lassen, dass es auch sehr schwer sei Ferienjobs zu finden, die Arbeitgeber wollen also hauptsächlich längerfristig Angestellte. Das macht Taiwan nicht gerade zu einem klassischen Working Holiday Land wie zum Beispiel Australien oder Neuseeland. Mit ein bisschen Glück lassen sich aber selbst Jobs auf der Straße finden.
Ich war gerade auf Besuch bei Ohne-Pelz, einer befreundeten Malerin und wir schauten Lolita auf Englisch, um sie auf ihre Prüfung am Samstag vorzubereiten, und uns überkam spontaner Heisshunger. Als wir dann zu vorgerückter, nächtlicher Stunde zum nächsten 7/11 unterwegs waren, passierten wir ein indisches Restaurant. Wir waren gerade in ein Gespräch über den Zusammenhang von Intelligenz und Gedächtnis vertieft, als ich eine Stimme meinen Namen rufen hörte. Der Mann der hier vor uns stand, als wir uns umdrehten, kam mir auf den ersten Blick nicht wirklich bekannt vor. Ich ließ mir nichts anmerken und ließ ihn reden. Zum Glück war ich nicht alleine unterwegs, so dass er meiner Begleitung erklärte: „We know each other from a Techno Festival in the mountains.“ Er stellte sich auch gleich noch mit seinem Namen vor, so dass sich auch das geklärt hat. Mir kam aber auch so langsam die Erinnerung zurück. War das nicht der Typ der mir ewig versucht hat Tribal-House zu erklären, indem er mir lautstark den Beat vorgesungen hat? Wenn man das Kellner-Hemd wegnahm, das Gesicht ein bisschen weniger frisch... Ja doch, ich war mir jetzt sicher. Wir werden hineingebeten. Am Tisch sitzen der Chef des Restaurants samt indischer Familie und Freunde. Sie erklären uns sie würden gerade so etwas wie Indisches Neujahr feiern und bieten uns Drinks an. Mein akzentfreies Englisch wird gelobt. Wir unterhalten uns über das Oktoberfest im benachbarten deutschen Restaurant. Auf den Tischen tanzende Menschen und „traditionelle“ deutsche Musik. Das gefällt ihnen. Als wir auf meine Jobsituation zu sprechen kommen, erklärt mir der Boss ich könne selbstverständlich hier arbeiten. Dass ich nicht Chinesisch spreche sei überhaupt kein Problem, seine Kunden seien sowieso hauptsächlich Ausländer, vor allem Amerikaner. So einfach geht das also. Außerdem würde ich unter seinen Kunden sicher einige finden, die einen Deutsch-Lehrer für ihre Kinder suchen.
So lange bis ich genug Schüler habe arbeite ich jetzt also ein wenig in einem indischen Restaurant. Schüler habe ich bisher zwei, wobei ich bei der einen das Gefühl habe, dass sie eher auf mich als auf Deutsch abfährt. Aber solange sie für die „Dates“ Geld bezahlt, finde ich das okay, hehe.