Donnerstag, 27. Oktober 2011

How to find a Job in Taiwan

Als ich vor ca. 2 Monaten in Berlin meinen Pass mit dem Working Holiday Visa für Taiwan bekam, sagte der Beamte „Theoretisch darfst du damit in Taiwan arbeiten“. Rein theoretisch. Und tatsächlich gestaltet sich die Jobsuche hier nicht sehr einfach, spricht man kein Chinesisch. Meistens trifft man selbst bei deutschen Restaurants nur auf chinesisch sprechendes Personal und Sprachschule vergeben meistens Ein-Jahres-Verträge. Ich habe mir sagen lassen, dass es auch sehr schwer sei Ferienjobs zu finden, die Arbeitgeber wollen also hauptsächlich längerfristig Angestellte. Das macht Taiwan nicht gerade zu einem klassischen Working Holiday Land wie zum Beispiel Australien oder Neuseeland. Mit ein bisschen Glück lassen sich aber selbst Jobs auf der Straße finden.
Ich war gerade auf Besuch bei Ohne-Pelz, einer befreundeten Malerin und wir schauten Lolita auf Englisch, um sie auf ihre Prüfung am Samstag vorzubereiten, und uns überkam spontaner Heisshunger. Als wir dann zu vorgerückter, nächtlicher Stunde zum nächsten 7/11 unterwegs waren, passierten wir ein indisches Restaurant. Wir waren gerade in ein Gespräch über den Zusammenhang von Intelligenz und Gedächtnis vertieft, als ich eine Stimme meinen Namen rufen hörte. Der Mann der hier vor uns stand, als wir uns umdrehten, kam mir auf den ersten Blick nicht wirklich bekannt vor. Ich ließ mir nichts anmerken und ließ ihn reden. Zum Glück war ich nicht alleine unterwegs, so dass er meiner Begleitung erklärte: „We know each other from a Techno Festival in the mountains.“ Er stellte sich auch gleich noch mit seinem Namen vor, so dass sich auch das geklärt hat. Mir kam aber auch so langsam die Erinnerung zurück. War das nicht der Typ der mir ewig versucht hat Tribal-House zu erklären, indem er mir lautstark den Beat vorgesungen hat? Wenn man das Kellner-Hemd wegnahm, das Gesicht ein bisschen weniger frisch... Ja doch, ich war mir jetzt sicher. Wir werden hineingebeten. Am Tisch sitzen der Chef des Restaurants samt indischer Familie und Freunde. Sie erklären uns sie würden gerade so etwas wie Indisches Neujahr feiern und bieten uns Drinks an. Mein akzentfreies Englisch wird gelobt. Wir unterhalten uns über das Oktoberfest im benachbarten deutschen Restaurant. Auf den Tischen tanzende Menschen und „traditionelle“ deutsche Musik. Das gefällt ihnen. Als wir auf meine Jobsituation zu sprechen kommen, erklärt mir der Boss ich könne selbstverständlich hier arbeiten. Dass ich nicht Chinesisch spreche sei überhaupt kein Problem, seine Kunden seien sowieso hauptsächlich Ausländer, vor allem Amerikaner. So einfach geht das also. Außerdem würde ich unter seinen Kunden sicher einige finden, die einen Deutsch-Lehrer für ihre Kinder suchen.

So lange bis ich genug Schüler habe arbeite ich jetzt also ein wenig in einem indischen Restaurant. Schüler habe ich bisher zwei, wobei ich bei der einen das Gefühl habe, dass sie eher auf mich als auf Deutsch abfährt. Aber solange sie für die „Dates“ Geld bezahlt, finde ich das okay, hehe.

Sonntag, 23. Oktober 2011

Vom Sonne-Mond-See zur Blumenstadt II

Auch dieses mal dauert es nicht lange bis das nächste Auto auf der Passstraße herankommt und – anhält. Ein älterer Mann sitzt darin, der Rücksitz ist voll mit irgendwelchen altmodischen Geräten für Was-auch-immer. Ich zeige ihm kurz wo ich hin muss, er kann mich ein ganzes Stück bis zur Gabelung nach Taroko mitnehmen, wo dann alle Autos die dort vorbei kommen, mehr oder weniger das selbe Ziel haben wie ich. Während der Fahrt versuche ich – erfolglos - herauszufinden für was die Geräte auf seinem Rücksitz bestimmt sind. Englisch spricht der Mann gar nicht, trotzdem „unterhalten“ wir uns bis wir nach einer Stunde dann an der Gabelung ankommen. Ich löse gerade meinen Gurt als er mir klarmacht dass er mich noch in die nächste Ortschaft 5 Kilometer weiter bringt, obwohl das gar nicht auf seinem Weg liegt. Was zum Teufel haben sich die Leute gedacht als sie meinten Trampen sei schwer in Taiwan? So einfach hatte ich es noch nie. Der Mann lässt mich an einer Tankstelle raus, ich bedanke mich herzlich bei ihm und der nächste Mensch der sich mir äußerst hilfsbereit zeigen wird, nähert sich in Form des Tankwarts. Er spricht gutes Englisch, so dass wir uns ein wenig unterhalten können, während ich hinter mir einige Autos vorbei ziehen lasse. Scheiss drauf, so gut wie das läuft brauch ich mir echt keine Sorgen machen. Doch als ich mich dann an die Straße stelle, fahren die Autos einfach an mir vorbei. War das Ganze jetzt nur Glück und ist es doch nicht so einfach? Nach dem dritten wird es dem Tankwart zu dumm und beim nächsten Auto dass ein bisschen langsamer fährt stellt er sich mitten auf die Straße. Das ältere Ehepaar das darin sitzt ist ein wenig ängstlich und auch nachdem mein Freund ihnen die Situation erklärt hat, noch sichtlich reserviert. Es ist offensichtlich, dass sie mich eigentlich nicht mitnehmen wollen, was mir unangenehm ist. Doch mein Freund lässt nicht locker und die Beiden lassen mich dann mit einem mulmigen Gefühl auf dem Rücksitz Platz nehmen.

Als wir Fahrt aufnehmen versuche ich die angespannte Atmosphäre im Auto ein bisschen aufzulockern. Ich stelle mich vor – auf chinesisch. Sie sagen mir auch ihre Namen, doch schweigen danach wieder. Es braucht einige Geduld und meinen ganzen Chinesisch-Wortschatz, doch nach einer Weile tauen sie auf. Während wir den kurvigen Pass herunterfahren, wird es auch außerhalb des Autos so langsam wieder wärmer und es wird klar dass wir uns nicht mehr im Gebirge befinden, sondern bereits in der Taroko-Schlucht. Die Umgebung ist wunderschön – theoretisch. Wir befinden uns die komplette Fahrt in einer einzigen großen Wolkendecke, so dass die Bäume am Wegesrand die einzige Natur darstellen die ich hier sehe. Nachdem der Fahrer besonders gewagt eine Kurve nimmt lacht er und fragt mich „Your heart Bumm Bumm??“. Haha. Nach zwei Stunden kommen wir dann endlich an meinem Tagesziel an, ein Campingplatz in der Nähe von Xiansheng. Das Paar macht sich weiter auf den Weg nach Hualien und ich beschließe bevor es dunkel wird noch einen kleinen Hiking Trail abzulaufen, auf dem ich ein paar Bilder schieße. Danach fällt mir auf dass ich nichts zu Essen habe und ich beschließe wieder zurück zu trampen, in das Dorf, um mir dort etwas zu kaufen. Ein junges Pärchen, für die ich vorher ein paar Fotos gemacht habe, fragt mich auf was ich denn warte, es gäbe hier keinen Bus. Ich erkläre ihnen mein Anliegen und sie sind untröstlich dass sie nur ein Motorrad haben. Ich winke ab und sage das macht nichts – es wird schon jemand kommen. Leider kommt dann doch niemand, um diese Uhrzeit ist hier wohl niemand mehr unterwegs. Doch von hinten kommt plötzlich ein Motorrad heran: Der Mann von gerade eben ist, nachdem er seine Freundin ins Hotel gebracht hat, extra zurückgefahren um mich zu holen. Warum sind in Taiwan alle so schneißnett?!?! Das frage ich mich ständig wenn mir sowas mal wieder passiert.
Im Ort decke ich mich mit Essen ein und stelle mich wieder an die Straße um wieder zum Campingplatz zurückzukommen, solangsam werde ich müde. Immerhin bin ich schon seit 5 Uhr morgens auf den Beinen. Eine Menge Autos ziehen in Kollone an mir vorbei, leider alle in die falsche Richtung. Es sieht geradezu aus als seien sie vor irgend etwas auf der Flucht. Ist irgendwo ein Krieg ausgebrochen? Letztendlich findet sich dann doch noch eine Mitfahrgelegenheit und nachdem ich mein Zelt aufgebaut habe und zum Abendessen eine Erdnusssuppe aus der Dose gegessen habe, falle ich auch schon todmüde in den Schlaf, gespannt wie es morgen weitergehen wird...





Mittwoch, 19. Oktober 2011

Vom Sonne-Mond-See zur Blumenstadt

Taiwan ist flächenmäßig nicht sehr groß und dementsprechend sind die Entfernungen eigentlich auch nicht weit. Von Taipei im Norden nach Kaoshiung im Süden kommt man mit dem Expresszug in etwa 4 Stunden. Hält man sich aber im Westen auf und will in den Osten verhält das ganze sich aber anders. Das relativ hohe Gebirge dass sich von oben nach unten praktisch komplett durch die Insel zieht macht Strassen bauen verdammt unattraktiv. Schienen gibt es gar keine, und die wenigen Passstraßen die die West-mit der Ostkküste verbinden, wurden meist noch von den Japanern gebaut, also noch vor dem 2. Weltkrieg. Dementsprechend sind die Zustände, falls sie überhaupt noch existieren. Dieser Umstand machte mir zu schaffen als ich mich in Puli, am Sonne-Mond-See aufhielt. Mein Plan war es, mich in 2 Tagen in Yilan für eine große Strandarty mit Freunden zu treffen. Da die oben erwähnten Passstraßen an vielen Stellen zu eng sind gibt es keine Busverbindungen von Puli, auf der westlichen Seite des Gebirges nach Yilan, auf der östlichen Seite. Normalerweiße würde man also erst mit dem Bus nach Taipei im Norden fahren um dann mit einem anderen Bus wieder nach Süden zu fahren um dann nach 6 Stunden in Yilan zu sein. Da ich diese Strecke aber bereits einmal befahren habe und die Alternative durch die wunderschöne Taroko-Schlucht führt, entschied ich mich von Puli in einer Etappe in die Taroko Schlucht zu fahren, dort mein Zelt aufzuschlagen, um dann am nächsten Tag gemütlich weiter nach Xincheng zu trampen und von dort den Zug nach Yilan zu nehmen. Meine Couchsurferin in Puli und ihr Bruder halfen mir auf der einen Seite so gut sie konnten bei den Vorbereitungen, auf der anderen Seite taten sie alles um mir dieses Unternehmen so gefährlich wie möglich darzustellen. Trampen sei in Taiwan sehr ungewöhnlich, außerdem werde keiner mich verstehen. Außerdem habe es in den Bergen nachts Minusgrade, wenn ich dort nicht mehr herauskomme.  Nicht gerade eine positive Nachricht angesichts meiner kurzen Hose und dem dünnen, löchrigen Cashmere-Pulli die mein wärmstes Outfit darstellen. Auch mein Supermarktzelt für 10 € ist nicht gerade Bergsteiger-Equipment. Aber ein bisschen Abenteuer hat noch keinem geschadet. Nachdem wir am Morgen noch zusammen eines der größten buddhistischen Klöster der Welt besucht haben, stehe ich also nun um 12 Uhr Mittags am letzten Bushalt vor dem Gebirge. Warum der Bus hier hält ist nicht ganz ersichtlich, von Zivilisation ist weit und breit nichts zu sehen, ganz zu schweigen von dem 7/11 der hier laut meiner Couchsurferin angeblich sein soll. Ich bin auch der einzige der bis hier her mitgefahren ist. Während der Bus wendet, setze mich erstmal hin und esse meinen Apfel und merke bei der Gelegenheit, dass mein Wasservorrat sich auf einen Viertel Liter beschränkt.  Shit, Planung war noch nie meine Stärke.

Nach ungefähr 5 Minuten zottelt das erste Fahrzeug den Berg hoch. Ich wedele mit meinem Schild auf dem in chinesisch steht: "Kann irgendjemand diesen Typ nach Taroko mitnehmen?" Ich sehe aber dass der Lieferwagen bereits voll besetzt ist und lasse das Schild wieder sinken. Trotzdem hält das Auto und ich erkenne auf der Ladefläche eine schlafende Frau. Der Fahrer weist auf eben jene Ladefläche und lädt mich offenbar ein dort mitzufahren. Er hat den typisch rot gefärbten, geschwollenen Lippen eines chronischen Betelnusskauers. In Gedanken an die doch recht ruppige Busfahrt hier hoch, hab ich dabei irgendwie kein so gutes Gefühl. Ich versuche herauszufinden wo er hin fährt, scheinbar nur in das nächste Dorf. Ich entschließe mich diesen Mann also fahren zu lassen, zumal ich mich an den Rat erinnere, nur Mitfahrgelegenheiten zu nehmen die mich direkt nach Taroko bringen, um nicht im Gebirge stecken zu bleiben und jämmerlich zu erfrieren.  Gleich nachdem das Auto um die Kurve verschwunden ist, bereue ich meinen Entschluss auch schon wieder.  Ich mache mich auf eine lange Wartezeit gefasst. Umso erfreulicher dann, dass bereits ein wenig später gleich zwei Autos an mir vorbeifahren. BEIDE halten an. Ich versuche mit meinem Chinesisch und meiner Straßenkarte mein Anliegen zu kommnizieren."Ich will fahren Taroko. Wo fahren sie?" Da Chinesisch ohne diesen grammatischen Murks wie Deklination und Konjugation auskommt, klappt das auch erstaunlich gut. Auch dieses mal ist das Ziel nur ein paar Kilometer weiter, doch ich entschließe mich angesichts der doch recht hohen Autodichte mitzufahren. Zwei Biostudenten, die hier in den Bergen Studien betreiben, sind meine erste Mitfahrgelegenheit. Es geht nun steil nach oben, und genauso schnell wie die Höhenmeter steigen, sinkt die Temperatur. Waren es am Sonne-Mond-See noch geschmeidige 25° sind es nun gute 10 Grad weniger. Doch spürbar, als die beiden mich an einer kleinen Raststätte für Wanderer, rauslassen. Dort kaufe ich mir Instantnudeln und Wasser. Ich greife mir dieses mal zur Sicherheit gleich drei Flaschen, wer weiss wie lange ich in den Bergen überleben muss. Draussen versuche ich ein paar Bilder zu machen, man sieht aber vor allem Weiss. Danach stelle ich mich an die Straße und warte auf das nächste Auto, das mich dieses mal hoffentlich ein bisschen weiter bringt...


 Die Gegend um den Sonne-Mond-See scheint berühmt für ihre Pilze zu sein. Überall waren diese überdimensionalen Pilzfiguren zu sehen.


 Impressionen vom Sonne-Mond-See. Genau zur richtigen Zeit um sowohl Sonnen- als auch Mondschein auf diesem See zu erleben.



 Puli, schlaflos, 6 Uhr morgens.




 Ja, auch ein riesiger Regenschirm ist eine Waffe. In diesem Fall gegen Geister, da diese wohl durch Regenschirme nicht durch können, so mein persönlicher Führer.



Montag, 17. Oktober 2011

Tainan

Bilder unseres Ausfluges nach Tainan, die frühere Hauptstadt Taiwans. Tainan bedeutet soviel wie Taisüd. Ich selbst wohne in Tainord (Taipei), außerdem gibt es noch Taimitte (Taichong) und Taiost (Taidong). Taiwest gibt es nicht, da Taimitte schon an der Westküste liegt und es somit im Meer liegen würde. Ich habe ja schon von den Puppenspielen für die Götter erzählt. Hier gab es diesmal sogar waschechtes Schauspiel, diesmal auch besser besucht.







Zocker jeden Alters auf dem größten Nachtmarkt Taiwans.





Der Konfuziustempel in Tainan.





Ein Musikinstrument auf dem Rücken eines Tigers. Ich hätte es zu gerne mal ausprobiert.





Tainan ist berühmt für seine Meeresfrüchte. Dementsprechend ist man auch überall auf diese Austern knackenden Gruppen gestoßen.





Sonntag, 2. Oktober 2011

Mikrokosmos Autobahnbrücke

Heute wollten wir einen Flohmarkt am Rande von Tapei besuchen. Erst mal gut in den Tag gestartet mit personalisiertem Weckruf: "Hey Ruben where are you, it's 9:30" "Oh, ya right, will be there in a minute" 40 Minuten später war ich dann dort, aber natürlich nicht zu spät um erstmal ans Frühstück zu denken, klar wir sind ja in Taiwan. Im Zweifelsfall wird einfach gegessen. Die Mutter von Klein-Ru (So heisst der) hat zum Glück Brötchen gebacken. Also noch Milchtee klargemacht, und dann losgeschlendert. Aus den "nur 500 Meter von hier" wurde dann ein strammer Marsch über eine unendlich lange Autobahnbrücke, inklusive zweimal Verlaufen. Inzwischen hatte auch so ein feuchter Niesel eingesetzt. Also nicht so ein ehrlicher, offener Regen. Sondern so ein widerlicher, den man kaum spürt, aber nach einiger Zeit sind halt einfach deine ganzen Klamotten nass. Als wir dann um ca. 11 dort ankamen, war der Flohmarkt praktisch verschwunden. Dafür fand unter der eingangs erwähnten Autobahnbrücke ein ganz eigenes Spektakel statt. Zwei Dutzend Rentner tanzten dort zu taiwanesischer Musik aus einem improvisierten Soundsystem Tango. Free Party for Free People, Kein Eintritt, keine Polizei. So sieht das aus . Ein paar Meter weiter spielte ein Paar eher schlecht als recht Badminton und daneben bieten ein paar ältere Frauen Gemüse an. Mikrokosmos Autobahnbrücke. Als wir dann später noch auf das Flohmarktgelände sind war dort außer Verwüstung nichts mehr vorzufinden. Doch das war gar nicht so schlimm, ich habe mich an diesem Vormittag trotzdem hervorragend unterhalten gefühlt.