Mittwoch, 19. Oktober 2011

Vom Sonne-Mond-See zur Blumenstadt

Taiwan ist flächenmäßig nicht sehr groß und dementsprechend sind die Entfernungen eigentlich auch nicht weit. Von Taipei im Norden nach Kaoshiung im Süden kommt man mit dem Expresszug in etwa 4 Stunden. Hält man sich aber im Westen auf und will in den Osten verhält das ganze sich aber anders. Das relativ hohe Gebirge dass sich von oben nach unten praktisch komplett durch die Insel zieht macht Strassen bauen verdammt unattraktiv. Schienen gibt es gar keine, und die wenigen Passstraßen die die West-mit der Ostkküste verbinden, wurden meist noch von den Japanern gebaut, also noch vor dem 2. Weltkrieg. Dementsprechend sind die Zustände, falls sie überhaupt noch existieren. Dieser Umstand machte mir zu schaffen als ich mich in Puli, am Sonne-Mond-See aufhielt. Mein Plan war es, mich in 2 Tagen in Yilan für eine große Strandarty mit Freunden zu treffen. Da die oben erwähnten Passstraßen an vielen Stellen zu eng sind gibt es keine Busverbindungen von Puli, auf der westlichen Seite des Gebirges nach Yilan, auf der östlichen Seite. Normalerweiße würde man also erst mit dem Bus nach Taipei im Norden fahren um dann mit einem anderen Bus wieder nach Süden zu fahren um dann nach 6 Stunden in Yilan zu sein. Da ich diese Strecke aber bereits einmal befahren habe und die Alternative durch die wunderschöne Taroko-Schlucht führt, entschied ich mich von Puli in einer Etappe in die Taroko Schlucht zu fahren, dort mein Zelt aufzuschlagen, um dann am nächsten Tag gemütlich weiter nach Xincheng zu trampen und von dort den Zug nach Yilan zu nehmen. Meine Couchsurferin in Puli und ihr Bruder halfen mir auf der einen Seite so gut sie konnten bei den Vorbereitungen, auf der anderen Seite taten sie alles um mir dieses Unternehmen so gefährlich wie möglich darzustellen. Trampen sei in Taiwan sehr ungewöhnlich, außerdem werde keiner mich verstehen. Außerdem habe es in den Bergen nachts Minusgrade, wenn ich dort nicht mehr herauskomme.  Nicht gerade eine positive Nachricht angesichts meiner kurzen Hose und dem dünnen, löchrigen Cashmere-Pulli die mein wärmstes Outfit darstellen. Auch mein Supermarktzelt für 10 € ist nicht gerade Bergsteiger-Equipment. Aber ein bisschen Abenteuer hat noch keinem geschadet. Nachdem wir am Morgen noch zusammen eines der größten buddhistischen Klöster der Welt besucht haben, stehe ich also nun um 12 Uhr Mittags am letzten Bushalt vor dem Gebirge. Warum der Bus hier hält ist nicht ganz ersichtlich, von Zivilisation ist weit und breit nichts zu sehen, ganz zu schweigen von dem 7/11 der hier laut meiner Couchsurferin angeblich sein soll. Ich bin auch der einzige der bis hier her mitgefahren ist. Während der Bus wendet, setze mich erstmal hin und esse meinen Apfel und merke bei der Gelegenheit, dass mein Wasservorrat sich auf einen Viertel Liter beschränkt.  Shit, Planung war noch nie meine Stärke.

Nach ungefähr 5 Minuten zottelt das erste Fahrzeug den Berg hoch. Ich wedele mit meinem Schild auf dem in chinesisch steht: "Kann irgendjemand diesen Typ nach Taroko mitnehmen?" Ich sehe aber dass der Lieferwagen bereits voll besetzt ist und lasse das Schild wieder sinken. Trotzdem hält das Auto und ich erkenne auf der Ladefläche eine schlafende Frau. Der Fahrer weist auf eben jene Ladefläche und lädt mich offenbar ein dort mitzufahren. Er hat den typisch rot gefärbten, geschwollenen Lippen eines chronischen Betelnusskauers. In Gedanken an die doch recht ruppige Busfahrt hier hoch, hab ich dabei irgendwie kein so gutes Gefühl. Ich versuche herauszufinden wo er hin fährt, scheinbar nur in das nächste Dorf. Ich entschließe mich diesen Mann also fahren zu lassen, zumal ich mich an den Rat erinnere, nur Mitfahrgelegenheiten zu nehmen die mich direkt nach Taroko bringen, um nicht im Gebirge stecken zu bleiben und jämmerlich zu erfrieren.  Gleich nachdem das Auto um die Kurve verschwunden ist, bereue ich meinen Entschluss auch schon wieder.  Ich mache mich auf eine lange Wartezeit gefasst. Umso erfreulicher dann, dass bereits ein wenig später gleich zwei Autos an mir vorbeifahren. BEIDE halten an. Ich versuche mit meinem Chinesisch und meiner Straßenkarte mein Anliegen zu kommnizieren."Ich will fahren Taroko. Wo fahren sie?" Da Chinesisch ohne diesen grammatischen Murks wie Deklination und Konjugation auskommt, klappt das auch erstaunlich gut. Auch dieses mal ist das Ziel nur ein paar Kilometer weiter, doch ich entschließe mich angesichts der doch recht hohen Autodichte mitzufahren. Zwei Biostudenten, die hier in den Bergen Studien betreiben, sind meine erste Mitfahrgelegenheit. Es geht nun steil nach oben, und genauso schnell wie die Höhenmeter steigen, sinkt die Temperatur. Waren es am Sonne-Mond-See noch geschmeidige 25° sind es nun gute 10 Grad weniger. Doch spürbar, als die beiden mich an einer kleinen Raststätte für Wanderer, rauslassen. Dort kaufe ich mir Instantnudeln und Wasser. Ich greife mir dieses mal zur Sicherheit gleich drei Flaschen, wer weiss wie lange ich in den Bergen überleben muss. Draussen versuche ich ein paar Bilder zu machen, man sieht aber vor allem Weiss. Danach stelle ich mich an die Straße und warte auf das nächste Auto, das mich dieses mal hoffentlich ein bisschen weiter bringt...


 Die Gegend um den Sonne-Mond-See scheint berühmt für ihre Pilze zu sein. Überall waren diese überdimensionalen Pilzfiguren zu sehen.


 Impressionen vom Sonne-Mond-See. Genau zur richtigen Zeit um sowohl Sonnen- als auch Mondschein auf diesem See zu erleben.



 Puli, schlaflos, 6 Uhr morgens.




 Ja, auch ein riesiger Regenschirm ist eine Waffe. In diesem Fall gegen Geister, da diese wohl durch Regenschirme nicht durch können, so mein persönlicher Führer.



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