Sonntag, 23. Oktober 2011

Vom Sonne-Mond-See zur Blumenstadt II

Auch dieses mal dauert es nicht lange bis das nächste Auto auf der Passstraße herankommt und – anhält. Ein älterer Mann sitzt darin, der Rücksitz ist voll mit irgendwelchen altmodischen Geräten für Was-auch-immer. Ich zeige ihm kurz wo ich hin muss, er kann mich ein ganzes Stück bis zur Gabelung nach Taroko mitnehmen, wo dann alle Autos die dort vorbei kommen, mehr oder weniger das selbe Ziel haben wie ich. Während der Fahrt versuche ich – erfolglos - herauszufinden für was die Geräte auf seinem Rücksitz bestimmt sind. Englisch spricht der Mann gar nicht, trotzdem „unterhalten“ wir uns bis wir nach einer Stunde dann an der Gabelung ankommen. Ich löse gerade meinen Gurt als er mir klarmacht dass er mich noch in die nächste Ortschaft 5 Kilometer weiter bringt, obwohl das gar nicht auf seinem Weg liegt. Was zum Teufel haben sich die Leute gedacht als sie meinten Trampen sei schwer in Taiwan? So einfach hatte ich es noch nie. Der Mann lässt mich an einer Tankstelle raus, ich bedanke mich herzlich bei ihm und der nächste Mensch der sich mir äußerst hilfsbereit zeigen wird, nähert sich in Form des Tankwarts. Er spricht gutes Englisch, so dass wir uns ein wenig unterhalten können, während ich hinter mir einige Autos vorbei ziehen lasse. Scheiss drauf, so gut wie das läuft brauch ich mir echt keine Sorgen machen. Doch als ich mich dann an die Straße stelle, fahren die Autos einfach an mir vorbei. War das Ganze jetzt nur Glück und ist es doch nicht so einfach? Nach dem dritten wird es dem Tankwart zu dumm und beim nächsten Auto dass ein bisschen langsamer fährt stellt er sich mitten auf die Straße. Das ältere Ehepaar das darin sitzt ist ein wenig ängstlich und auch nachdem mein Freund ihnen die Situation erklärt hat, noch sichtlich reserviert. Es ist offensichtlich, dass sie mich eigentlich nicht mitnehmen wollen, was mir unangenehm ist. Doch mein Freund lässt nicht locker und die Beiden lassen mich dann mit einem mulmigen Gefühl auf dem Rücksitz Platz nehmen.

Als wir Fahrt aufnehmen versuche ich die angespannte Atmosphäre im Auto ein bisschen aufzulockern. Ich stelle mich vor – auf chinesisch. Sie sagen mir auch ihre Namen, doch schweigen danach wieder. Es braucht einige Geduld und meinen ganzen Chinesisch-Wortschatz, doch nach einer Weile tauen sie auf. Während wir den kurvigen Pass herunterfahren, wird es auch außerhalb des Autos so langsam wieder wärmer und es wird klar dass wir uns nicht mehr im Gebirge befinden, sondern bereits in der Taroko-Schlucht. Die Umgebung ist wunderschön – theoretisch. Wir befinden uns die komplette Fahrt in einer einzigen großen Wolkendecke, so dass die Bäume am Wegesrand die einzige Natur darstellen die ich hier sehe. Nachdem der Fahrer besonders gewagt eine Kurve nimmt lacht er und fragt mich „Your heart Bumm Bumm??“. Haha. Nach zwei Stunden kommen wir dann endlich an meinem Tagesziel an, ein Campingplatz in der Nähe von Xiansheng. Das Paar macht sich weiter auf den Weg nach Hualien und ich beschließe bevor es dunkel wird noch einen kleinen Hiking Trail abzulaufen, auf dem ich ein paar Bilder schieße. Danach fällt mir auf dass ich nichts zu Essen habe und ich beschließe wieder zurück zu trampen, in das Dorf, um mir dort etwas zu kaufen. Ein junges Pärchen, für die ich vorher ein paar Fotos gemacht habe, fragt mich auf was ich denn warte, es gäbe hier keinen Bus. Ich erkläre ihnen mein Anliegen und sie sind untröstlich dass sie nur ein Motorrad haben. Ich winke ab und sage das macht nichts – es wird schon jemand kommen. Leider kommt dann doch niemand, um diese Uhrzeit ist hier wohl niemand mehr unterwegs. Doch von hinten kommt plötzlich ein Motorrad heran: Der Mann von gerade eben ist, nachdem er seine Freundin ins Hotel gebracht hat, extra zurückgefahren um mich zu holen. Warum sind in Taiwan alle so schneißnett?!?! Das frage ich mich ständig wenn mir sowas mal wieder passiert.
Im Ort decke ich mich mit Essen ein und stelle mich wieder an die Straße um wieder zum Campingplatz zurückzukommen, solangsam werde ich müde. Immerhin bin ich schon seit 5 Uhr morgens auf den Beinen. Eine Menge Autos ziehen in Kollone an mir vorbei, leider alle in die falsche Richtung. Es sieht geradezu aus als seien sie vor irgend etwas auf der Flucht. Ist irgendwo ein Krieg ausgebrochen? Letztendlich findet sich dann doch noch eine Mitfahrgelegenheit und nachdem ich mein Zelt aufgebaut habe und zum Abendessen eine Erdnusssuppe aus der Dose gegessen habe, falle ich auch schon todmüde in den Schlaf, gespannt wie es morgen weitergehen wird...





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